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Was mich in den letzten Jahren beschäftigte...



Die "vergessenen" Opfer des II. Weltkrieges...




Der 1. September 1939...

... ist der Tag des Beginns des zweiten Weltkriegs.

Doch nicht nur das.
Dieses historische Datum trägt ein Schreiben, welches die Unterschrift Adolf Hitlers trägt:

.......Zitat:.......

"Adolf Hitler Berlin, den 1. September 1939

Reichsleiter Bouhler und
Dr. med. Brandt

sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, daß nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischter Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann.

gez.: Adolf Hitler"

.......Zitat-Ende (Quelle:"E. Klee: "Euthanasie" im NS-Staat, ISBN: 3-596-24326-2, Seite: 100"; im Orginal ist dieser Brief abgedruckt in: "Verlegt nach Hadamar - Die Geschichte einer NS-"Euthanasie"-Anstalt, ISBN:3-89203-011-1, Seite: 69).......

Liebe Besucher dieser Webseite,

eigentlich gar nicht so schlimm, oder?
Dennoch ist genau dieses Schreiben der Beginn eines der schlimmsten Verbrechen der NS-Zeit.
Jetzt ist der Weg frei die Lehrmeinungen von Karl Binding und Alfred Hoche in die Tat umzusetzen. Sie veröffentlichten schon im Jahre 1920 ein Buch mit dem Titel "Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens".
Auf den Seiten 29 bzw. 31 schreiben sie u.a.:

"...
Die Rechtssprechung hat nicht die Pflicht, folgende Leben weiter zu schützen
1. die zufolge Krankheit oder Verwundung unrettbar Verlorenen, die im vollen Verständnis ihrer Lage den dringenden Wunsch nach Erlösung besitzen und ihn in irgendeiner Weise zu erkennen gegeben haben." (S.29)

"...
2. Die zweite Gruppe besteht aus den unheilbar Blödsinnigen - einerlei ob sie so geboren oder etwa wie die Paralytiker im letzten Stadium ihres Leidens so geworden sind. Sie haben weder den Willen zu leben, noch zu sterben." (S. 31)

Wie nahe in diesem Buch von dem "Reinheitsgedanken der deutschen Rasse" die Rede war, zeigt sich besonders bei einigen Ausführungen von Hoche. Er schreibt von Ballastexistenzen, die gegenüber dem Ganzen an Bedeutung verloren.

Das dieses Gedankengut auf fruchtbaren Boden fiel, zeigt alleine schon die Geschichte der "Kindereuthanasie". Am 18.8.1939 wurde eine Meldepflicht für mißgebildete Kinder bis zum Alter von 3 Jahren für Ärzte und Hebammen eingeführt.

Die erfaßten Kinder wurden auf spezielle Stationen des "Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden", den sogenannten Kinderfachabteilungen, verlegt. Teilweise sogar ohne die Einwilligung der Eltern. Die Tötung dieser "lebensunwerten" Kinder erfolgte durch Morphium-Hydrochloral, Luminal oder einfach durch Nahrungsentzug bzw. einseitiger Ernährung.

Der ganzen Tötungsaktion sind die Zwangssterilisationen vorangegangen.
Und: "T4", so der Name der NS-Euthanasieaktion im "Fachjargon", war der Testlauf der großen Vernichtungsaktion in den Konzentrationslagern.

Was hat das mit Lüdenscheid zu tun?

Fast 60 Menschen, welche, während der NS-Zeit, hier in Lüdenscheid lebten sind diesem Gedankengut der "Reinheit der deutschen Rasse" zum Opfer gefallen.
Niemand, außer vielleicht die heute noch lebenden Angehörigen, denkt an diese Menschen.
Sicher, es ist lange her und man ist des Themas "NS-Zeit" überdrüßig, aber:
"Lebensunwertes" Leben wird selbst heute noch als "selbstverständlich" hingenommen.
Ich erinnere z.B. an das, vor einigen Jahren gesprochene, "Oldenburgurteil" (http://www.tim-lebt.de/).
Ein anderes Beispiel erzählte H. Hüppe (MDB/CDU) bei einem Vortrag in Hückeswagen am 21.10.2000: Demnach hatte ein Kind die eigene Abtreibung in einer Klinik in Zittau (zunächst) überlebt. Der Abtreibungsarzt machte dennoch "seinen Job", obwohl die Anästhesistin das Kind beatmen wollte.

Auch das sog. "Übereinkommen zum Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde im Hinblick auf die Anwendung von Biologie und Medizin" ("Bioethik-Konvention") schreckt nicht davor zurück, medizinische Forschung an Nichteinwilligungsfähigen (also z.B. auch Menschen mit Behinderungen) zu erlauben. Sehr viele Behindertenorganisationen, auch hier in Lüdenscheid, protestieren deshalb gegen die deutsche Ratifizierung der Konvention durch Unterschriftenaktionen. (http//www.bioethik.com/)

Zurück zu den fast 60 NS-Euthanasie-Opfern Lüdenscheids:
Eine Liste der Namen der Opfer ist im Rathaus der Stadtverwaltung vorhanden. Dort sind auch die, vermutlichen, Sterbeorte aufgelistet:
Hadamar, Weilmünster, Eichberg bei Eltville, Gießen, Pfaffenrode bei Mühlhausen, Eglfing/Ecksberg, Regensburg, Kaufbeuren, Scheuern bei Nassau, Bernburg, Warta (heute Polen), Tiegenhof bei Gnesen (heute Gniesno/ Polen).

Ich möchte dieses Thema, und die folgenden Fragen, zur Diskussion stellen, dessen Beiträge ich evtl. weiter unten veröffentliche:

Die Namen der NS-Täter werden noch heute fast täglich genannt, und die Namen der Opfer?
Sind die Namen, zumindest hier in Lüdenscheid, nicht wert, öffentlich genannt zu werden?
Zumindest als Initialen, mit den Sterbeorten, auf einer Gedenktafel...
(Der neuzugestaltene Rathausplatz würde sich anbieten...)

Wie war das in ihrer Stadt?
Gab es dort auch die "T4"-Aktion?

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*** Ab hier sollten Leserkommentare zu dieser Thematik stehen...

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